Fachbeitrag · Recruiting-Tipps · Treasury & Cash Management
Treasury besetzen: Warum Ausschreibungen hier fast nie funktionieren
Der Kandidatenkreis ist klein und beschäftigt. Warum im Treasury nur die persönliche Kandidatenansprache trägt.
Veröffentlicht am 13.01.2026 · 4 Min. Lesezeit
Größenordnung des Marktes
Treasury ist die kleinste der klassischen Finance-Disziplinen. Während es Tausende Bilanzbuchhalter gibt, ist die Zahl der erfahrenen Treasury-Spezialisten und -Leiter überschaubar – und sie verteilt sich auf Konzerne, größere Mittelständler und Banken, über das ganze Bundesgebiet.
Diese Größenordnung verändert die Marktlogik grundlegend: Es gibt praktisch keinen aktiven Bewerbermarkt. Die Menschen, die Ihre Rolle besetzen könnten, sind beschäftigt, gut platziert und lesen keine Stellenanzeigen – sie müssen es nicht, die Nachfrage kennt ihre Namen.
Eine Ausschreibung im Treasury ist deshalb keine Suche, sondern eine Ankündigung ins Leere. Sie erreicht die falsche Gruppe: diejenigen, die suchen – und die sind in diesem Feld selten die, die Sie brauchen.
Wo die Kandidaten sitzen
Der relevante Kandidatenkreis sitzt an drei Orten. Erstens: im Corporate Treasury anderer Unternehmen – die direkteste, aber engste Quelle. Zweitens: in Banken, im Firmenkunden- und Transaktionsgeschäft – der etablierte Wechselpfad, der funktioniert, wenn die Rolle die Bankperspektive honorieren kann.
Drittens: in angrenzenden Unternehmensfunktionen – Finanzierung, Risikomanagement, Konzernfinanzen –, wo Menschen Treasury-Themen teilweise abdecken, ohne den Titel zu tragen. Gerade für mittelständische Treasury-Rollen, die breiter angelegt sind, ist das die interessanteste Quelle.
Für Ihre Suche heißt das: Der Kreis ist bekannt und kartierbar. Ein spezialisierter Berater, der diesen Markt bearbeitet, weiß, wer wo sitzt – und wer grundsätzlich für ein Gespräch offen wäre.
Persönliche Kandidatenansprache als einziger Weg
Im Treasury ist die persönliche Kandidatenansprache nicht eine Option unter mehreren, sondern der einzige funktionierende Weg. Sie muss dabei fachlich tragen: Wer einen erfahrenen Treasury-Leiter kontaktiert, muss in der ersten Nachricht zeigen, dass er die Rolle versteht – Cash Management, Finanzierungsstruktur, Systemlandschaft.
Die Ansprache läuft über die persönliche Ebene: diskret, konkret, ohne Verkaufston. Diese Kandidaten bekommen regelmäßig Anfragen – was sie unterscheiden, ist die Qualität der Ansprache und die Glaubwürdigkeit des Ansprechenden.
Rechnen Sie mit einem längeren Vorlauf: Passive Kandidaten in Festanstellung bewegen sich nicht in Wochen. Ein Gespräch heute kann eine Besetzung in einem Jahr bedeuten. Wer Treasury besetzen will, sollte deshalb früh beginnen – idealerweise bevor die Vakanz akut ist.
Was Sie bieten müssen
Einen etablierten Treasury-Profi bewegen Sie nicht mit Standardargumenten. Was zählt, ist die Substanz der Rolle: Gestaltungsspielraum, die Nähe zur Geschäftsführung, die Frage, ob Treasury im Haus als Steuerungsfunktion ernst genommen wird oder als Zahlungsabwicklung missverstanden.
Die zweite Ebene ist die Ausstattung: Systeme, Team, Budget. Eine Treasury-Rolle, die ohne funktionierendes TMS und ohne Ressourcen auskommen soll, ist für erfahrene Kandidaten ein Warnsignal – sie wissen, was das für den Alltag bedeutet.
Und schließlich die Perspektive: Viele Treasury-Kandidaten bewegen sich für den Aufbau. Eine Rolle, in der sie die Funktion neu aufsetzen oder professionalisieren dürfen, ist attraktiver als die verwaltete Routine – das ist das stärkste Argument, das Sie formuliert haben sollten, bevor die erste Ansprache rausgeht.
Wann eine externe Lösung sinnvoller ist
Nicht jedes Unternehmen braucht eine festangestellte Treasury-Vollzeitkraft. Wenn das Volumen die Rolle nicht auslastet, gibt es Alternativen: eine breiter angelegte Finanzierungs- oder Leitungsrolle mit Treasury-Anteil, die Bündelung der Themen in einer bestehenden Funktion oder interimistische und externe Lösungen für definierte Aufgaben.
Diese Entscheidung sollten Sie vor der Suche treffen, nicht währenddessen. Wer monatelang einen Spezialisten sucht und dann feststellt, dass die Rolle ein Teilzeitthema ist, hat Zeit und Markt goodwill verbrannt.
Die ehrliche Analyse lautet: Welche Treasury-Aufgaben haben wir wirklich, wie viel Volumen steckt darin, und was davon muss im Haus sitzen? Die Antwort führt oft zu einer anderen – besseren – Rollendefinition, für die der Markt dann plötzlich Kandidaten hat.
Matching Finance – Personalberatung für das Finanzwesen
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