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Leitfaden · Recruiting-Tipps · Alle Fachbereiche

Onboarding im Finanzbereich: Die ersten 90 Tage entscheiden

Die meisten frühen Kündigungen sind Onboarding-Probleme. So strukturieren Sie die ersten drei Monate.

Veröffentlicht am 13.01.2026 · 4 Min. Lesezeit

Warum Finance-Onboarding oft schlecht läuft

Das Onboarding in Finanzabteilungen scheitert selten an bösem Willen, sondern an der Struktur der Arbeit: Alle sind im Zyklus gefangen. Die Kollegen, die einarbeiten sollen, stehen selbst im Abschluss; das Wissen liegt in Köpfen, nicht in Dokumenten; und die neue Person bekommt Aufgaben, bevor sie den Zusammenhang kennt.

Das Ergebnis ist ein Muster, das sich durch viele Abteilungen zieht: Die ersten Wochen bestehen aus Beobachten und kleinen Aufgaben, dann kippt die Stimmung – weil die neue Person merkt, dass niemand Zeit hat, und die Abteilung merkt, dass die neue Person noch nicht trägt.

Die meisten frühen Kündigungen – von beiden Seiten – fallen in genau diese Phase. Und sie sind fast nie Qualitätsurteile über den Menschen, sondern Urteile über ein Onboarding, das nicht stattgefunden hat.

Systemzugänge und Berechtigungen

Es klingt banal und ist der häufigste Stolperstein: Am ersten Tag fehlen Zugänge – ERP, Banken, DATEV, Reporting-Tools, E-Mail-Verteiler. Die neue Kraft sitzt vor einem Rechner, mit dem sie nichts anfangen kann, und der erste Eindruck ist organisiert: Der Arbeitgeber war nicht vorbereitet.

Im Finanzbereich kommt erschwerend hinzu, dass Berechtigungen sensibel sind: Bankvollmachten, Freigabeworkflows, Mandantenrechte. Sie brauchen Vorlauf und oft externe Beteiligte – die Bank, den Steuerberater, den Systemadministrator. Wer das am ersten Tag beginnt, verliert zwei Wochen.

Die Lösung ist eine Zugangsliste, die vor dem ersten Tag abgearbeitet wird: Welche Systeme, welche Berechtigungsstufe, wer stellt ein, bis wann. Eine Seite, ein Verantwortlicher, ein Termin. Mehr braucht es nicht – aber genau das fehlt erstaunlich oft.

Fachliche Einarbeitung strukturieren

Fachliche Einarbeitung im Finanzbereich heißt vor allem: die Historie verstehen. Warum wird dieser Vorgang so gebucht? Warum läuft dieser Prozess über drei Tabellen? Die Antworten stehen in keinem Handbuch – sie liegen bei den Menschen, die dabei waren.

Strukturieren Sie die Einarbeitung entlang des Abschlusszyklus statt entlang der Organisation: Die neue Person soll einen vollständigen Zyklus begleiten, bevor sie eigene Verantwortung übernimmt. Dabei begleitet sie jede Station einmal aktiv – nicht nur zuschauen, sondern unter Anleitung selbst machen.

Und benennen Sie einen festen Ansprechpartner für die fachlichen Fragen – einen, nicht vier. Die neue Person muss wissen, bei wem sie fragen darf, ohne sich lästig zu fühlen. Gerade erfahrene Neue stellen sonst zu wenig Fragen, um nicht inkompetent zu wirken – und genau das erzeugt die Fehler, die später auffallen.

Der erste Abschluss als Feuertaufe

Der erste Monats- oder Jahresabschluss unter neuer Beteiligung ist der eigentliche Test – für beide Seiten. Die neue Person zeigt, ob sie die Arbeit beherrscht; das Haus zeigt, ob seine Prozesse für Außenstehende nachvollziehbar sind. Spoiler: oft sind sie es nicht, und das ist wertvolle Information.

Planen Sie diesen ersten Abschluss bewusst: Die neue Person übernimmt einen definierten Ausschnitt mit enger Begleitung, danach gibt es ein strukturiertes Nachbesprechungsgespräch – was lief, wo fehlte Wissen, wo waren die Prozesse das Problem?

Nutzen Sie die Gelegenheit auch in die andere Richtung: Neue Mitarbeiter sehen, was Eingeschworene nicht mehr sehen – die Absurditäten der gewachsenen Prozesse. Wer diese Beobachtungen in den ersten Wochen einsammelt, bekommt eine Prozessanalyse umsonst.

Wann Sie nachsteuern müssen

Nach den ersten Wochen zeigt sich, ob die Besetzung trägt. Die Signale, auf die Sie achten sollten: Stellt die Person Fragen – und werden die Fragen besser statt gleichbleibend grundlegend? Übernimmt sie Verantwortung oder wartet sie auf Zuweisung? Wie reagiert das Team – wird sie zur Ansprechpartnerin oder umgangen?

Wenn die Signale falsch sind, gilt: früh ansprechen, konkret bleiben. “Die Zusammenarbeit muss besser werden„ ist keine Rückmeldung. “Beim Abschluss sind diese drei Punkte aufgefallen – lassen Sie uns besprechen, wie wir das abstellen“ ist eine. Oft liegt das Problem in der Einarbeitung, nicht in der Person – aber Sie finden es nur heraus, wenn Sie das Gespräch führen.

Und begrenzen Sie die Probezeit-Entscheidung nicht auf den letzten Tag: Wer im vierten Monat weiß, dass es nicht passt, und im sechsten handelt, hat zwei Monate verloren und beide Seiten beschädigt. Die Probezeit ist zum Prüfen da – auch von Ihnen.

Matching Finance – Personalberatung für das Finanzwesen

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