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Fachbeitrag · Recruiting-Tipps · Alle Fachbereiche

Der Finanzbereich im ERP-Wechsel: Personalbedarf richtig planen

Ein Systemwechsel bindet Kapazität, die niemand eingeplant hat. So planen Sie den Personalbedarf, bevor es eng wird.

Veröffentlicht am 13.01.2026 · 4 Min. Lesezeit

Was ein Wechsel im Team auslöst

Ein ERP-Wechsel im Finanzbereich ist kein IT-Projekt, sondern ein Arbeitsbelastungs-Projekt für die Fachseite. Die Buchhaltung testet Buchungsläufe, das Rechnungswesen mappt Kontenrahmen, das Controlling definiert Berichte neu – zusätzlich zum Tagesgeschäft, das unverändert weiterläuft.

Die typische Planungslücke: Das Projekt ist terminiert und budgetiert, aber die interne Kapazität wurde einfach angenommen. Die Schlüsselpersonen – genau die erfahrensten Kräfte – arbeiten fortan an zwei Jobs: ihrem eigenen und dem Projekt.

Die Folge ist vorhersehbar: Entweder leidet das Tagesgeschäft – Abschlüsse verzögern sich, Qualität sinkt – oder das Projekt verzögert sich, weil die Fachseite nicht liefert. Meist beides. Der Personalbedarf ist kein Nebenthema des Projekts, sondern seine zentrale Ressourcenfrage.

Welche Rollen zusätzlich gebraucht werden

Der erste Bedarf liegt im Tagesgeschäft selbst: Wer die erfahrene Bilanzbuchhalterin halbtags ins Projekt zieht, braucht Ersatz für ihre Kerntätigkeiten. Diese Vertretungsrollen sind oft der größte und am häufigsten vergessene Bedarf.

Der zweite Bedarf liegt im Projekt: fachliche Mitglieder der Projektorganisation aus dem Finanzbereich, die Anforderungen definieren, testen und dokumentieren. Je nach Projektgröße kommen spezialisierte Profile hinzu – etwa für Datenmigration, Schnittstellen oder das Reporting im neuen System.

Der dritte Bedarf entsteht am Ende: Key User, die das neue System im Team verankern, Schulungen geben und erste Anlaufstelle sind. Diese Rolle wird gern nebenbei zugeteilt – sie ist aber eine echte Aufgabe, die Monate nach dem Go-live dauert.

Intern oder extern abdecken

Die Grundregel: Projektwissen sollte intern sitzen, Vertretung kann extern kommen. Die Menschen, die im Projekt Entscheidungen über Prozesse und Auswertungen treffen, sollten Ihre eigenen sein – dieses Wissen muss im Haus bleiben, wenn das Projekt endet.

Die Lücken im Tagesgeschäft lassen sich dagegen gut extern schließen: Interimskräfte oder befristete Verstärkung für die definierten, gut übergabefähigen Aufgaben. Das entlastet Ihre Schlüsselpersonen für das, was nur sie können.

Für spezialisierte Projektaufgaben – Datenmigration, komplexe Schnittstellen – ist externe Expertise oft der schnellere Weg. Wichtig ist dann nur: Intern muss jemand mitlernen, sonst verlässt das Systemverständnis das Haus gemeinsam mit dem Externen.

Der Zeitpunkt der Verstärkung

Der häufigste Fehler ist der späte Start: Die Verstärkung wird gesucht, wenn die Überlastung bereits sichtbar ist. Dann beginnt eine mehrmonatige Suche in einem Markt, in dem erfahrene Finance-Kräfte nicht auf Abruf warten – und das Projekt läuft in der Zwischenzeit auf Verschleiß.

Der richtige Zeitpunkt liegt vor dem Projektstart: Sobald die Projektplanung steht, sollte die Kapazitätsrechnung folgen – wer wird wie stark gebunden, welche Lücken entstehen, wann genau? Diese Rechnung gehört in jeden realistischen Projektplan.

Planen Sie außerdem die Spitzen ein: Testphasen und der Zeitraum um den Go-live herum sind die Belastungsmaxima. Wer die Verstärkung auf den Projektstart terminiert, hat sie verfügbar, wenn sie wirklich gebraucht wird – nicht erst danach.

Was nach dem Go-live bleibt

Der Go-live ist nicht das Ende des Personalthemas, sondern sein Höhepunkt: Parallel- und Nachlaufphasen, Fehlerkorrekturen, ein Team, das im neuen System langsamer ist als im alten. Die Wochen nach dem Start brauchen mehr Kapazität, nicht weniger – planen Sie sie als Projektphase mit eigenem Bedarf.

Danach bleibt die dauerhafte Frage: Das neue System verändert Rollen. Manche manuellen Tätigkeiten fallen weg, neue entstehen – Systempflege, Datenqualität, erweiterte Auswertungen. Wer diese Umstellung nicht aktiv gestaltet, verliert die Produktivitätsgewinne, für die das Projekt angetreten war.

Und es bleibt eine Chance: Mitarbeitende, die im Projekt Key-User-Erfahrung und Systemkenntnis aufgebaut haben, sind für das Haus wertvoller geworden – und am Markt attraktiver. Wer diese Menschen nach dem Projekt mit Perspektive und Anerkennung bindet, behält das teuer erkaufte Wissen. Wer das vergisst, finanziert die Weiterbildung des nächsten Arbeitgebers.

Matching Finance – Personalberatung für das Finanzwesen

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