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Fachbeitrag · Fachwissen & Markt · Accounting & Rechnungswesen

Die E-Rechnung und was sie für Finance-Teams bedeutet

Die verpflichtende elektronische Rechnung verändert Prozesse, Systeme und Personalbedarf im Finanzbereich.

Veröffentlicht am 13.01.2026 · 5 Min. Lesezeit

Was sich formal ändert

Die E-Rechnung ist keine Formatfrage, sondern eine Verfahrensänderung: Eine elektronische Rechnung im Sinne der Vorgaben ist ein strukturiertes Datenformat, das maschinell ausgewertet werden kann. Das eingescannte Papier und das PDF per E-Mail erfüllen diese Definition gerade nicht – genau diese Unterscheidung wird in der Praxis am häufigsten übersehen.

Für den Rechnungsempfang heißt das: Unternehmen müssen strukturierte elektronische Rechnungen entgegennehmen und verarbeiten können. Die Pflicht zum Versand greift stufenweise und hängt von Unternehmensgröße und Umsatz ab – wer die Fristen für die eigene Konstellation nicht kennt, plant die Umstellung zu spät.

Formal ändert sich außerdem die Archivierungslogik: Das strukturierte Rechnungsformat wird zum steuerlich relevanten Original. Wer weiterhin papierhafte Abläufe als Referenz pflegt, baut einen doppelten Prozess auf, der niemandem nützt.

Auswirkung auf Kreditoren und Debitoren

Auf der Kreditorenseite liegt der größte Hebel: Eingangsrechnungen kommen strukturiert an und können – bei sauber gepflegten Stammdaten und Bestellprozessen – weitgehend automatisch verbucht werden. Der manuelle Anteil des Rechnungseingangs sinkt, die Fehlerquote bei der Datenerfassung ebenfalls.

Das setzt voraus, was viele Häuser nicht haben: saubere Bestellreferenzen, gepflegte Lieferantenstammdaten und geklärte Freigabeworkflows. Die E-Rechnung automatisiert den Prozess, den es gibt – auch den schlechten. Wer vorher nicht aufräumt, automatisiert das Chaos.

Auf der Debitorenseite ändert sich der Versand: Rechnungen müssen im geforderten Format erzeugt und übermittelt werden. Kunden im öffentlichen Sektor und größere Geschäftskunden verlangen das zunehmend ohnehin – wer dort nicht liefern kann, verliert im ungünstigsten Fall den Zugang zum Mandat.

Systemseitige Voraussetzungen

Die Kernfrage ist, ob die eigene Systemlandschaft strukturierte Formate erzeugen und verarbeiten kann. Moderne Buchhaltungs- und ERP-Systeme können es grundsätzlich; die Praxisfrage ist die Version, die Konfiguration und die Anbindung an die Belegverarbeitung.

Dazwischen liegen die Werkzeuge: Eingangskanäle, Konvertierung, Workflows für Prüfung und Freigabe, die Archivierung. Viele Unternehmen brauchen hier Ergänzungen – entweder als Modul des bestehenden Systems oder als spezialisierte Lösung davor.

Und es ist ein Stichtag-Thema: Systementscheidungen brauchen Vorlauf für Auswahl, Einführung und Test. Wer die Systemfrage erst angeht, wenn die Pflicht greift, landet in der Übergangslösung – und Übergangslösungen haben die Eigenschaft, Jahre zu bleiben.

Wer die Umstellung fachlich trägt

Die E-Rechnung ist ein Finance-Projekt, kein IT-Projekt: Die fachlichen Entscheidungen – welche Rechnungsinhalte, welche Prüfungen, welche Freigaben – kann nur die Buchhaltung treffen. Die IT liefert die Technik, aber der Prozess gehört der Fachseite.

In der Praxis fehlt genau dafür die Kapazität: Die erfahrenen Kräfte, die den Prozess neu definieren müssten, sind mit dem Tagesgeschäft ausgelastet. Wer die Umstellung ernst nimmt, plant diese Kapazität ein – intern freigestellt oder durch externe Unterstützung ergänzt.

Für viele Häuser ist die Umstellung außerdem die Gelegenheit, den gesamten Rechnungseingang neu zu denken: zentral statt dezentral, workflowgesteuert statt verteilt. Wer nur das Format tauscht, verschenkt den eigentlichen Effekt.

Was danach an Kapazität frei wird

Wenn die Umstellung steht, sinkt der manuelle Anteil des Rechnungseingangs deutlich: weniger Erfassung, weniger Abstimmungsfehler, schnellere Freigaben. Die frei werdende Kapazität ist real – aber sie entsteht nicht automatisch, sondern nur, wenn die Prozesse konsequent umgestellt werden.

Die spannende Frage ist, wohin diese Kapazität fließt: In gut geführten Häusern wandert sie in höherwertige Tätigkeiten – Kreditorenanalyse, Konditionenmanagement, die Qualität der Stammdaten. Das verändert das Berufsbild der Buchhaltung spürbar: weg von der Erfassung, hin zur Steuerung.

Für die Personalplanung heißt das zweierlei: Die Profile, die Sie in Zukunft suchen, sind anspruchsvoller als die, die Sie ersetzen. Und die Menschen, die Sie haben, brauchen Entwicklung in diese Richtung – die E-Rechnung ist so auch ein Weiterbildungsthema.

Matching Finance – Personalberatung für das Finanzwesen

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