Fachbeitrag · Fachwissen & Markt · M&A & Corporate Finance
Financial Due Diligence: Was tatsächlich geprüft wird
Ein Überblick für alle, die zum ersten Mal auf der anderen Seite des Tisches sitzen.
Veröffentlicht am 20.01.2026 · 6 Min. Lesezeit
Ertragslage bereinigen
Im Zentrum steht nicht das ausgewiesene Ergebnis, sondern das nachhaltige Ergebnis. Bereinigt wird um Effekte, die einmalig sind oder nach der Transaktion nicht mehr in dieser Form anfallen – Rechtsstreitigkeiten, Restrukturierungen, Sondereffekte aus Verkäufen von Anlagevermögen.
Ein eigener Block sind gesellschafterbezogene Effekte: Geschäftsführervergütungen, die nicht marktüblich sind, Mieten an nahestehende Personen, private Anteile in den Kosten. Diese Positionen sind im inhabergeführten Mittelstand die Regel und keine Auffälligkeit – sie müssen nur transparent sein.
Geprüft wird zusätzlich die Qualität der Erträge: Wiederkehrende Umsätze werden anders bewertet als Projektgeschäft, Kundenkonzentration wird sichtbar gemacht, Margenverläufe werden nach Produkt und Kundengruppe aufgerissen. Diese Analyse sagt mehr über den künftigen Wert als jede einzelne Bereinigung.
Working Capital normalisieren
Da der Kaufpreis üblicherweise ein normales Maß an Working Capital unterstellt, wird ein Referenzniveau bestimmt. Grundlage ist der Verlauf über mehrere Monate, weil Stichtagswerte saisonale und einmalige Effekte enthalten.
Geprüft wird, ob der Verlauf verzerrt ist – etwa durch verzögerte Zahlungen an Lieferanten kurz vor dem Stichtag, durch besonders aggressives Forderungsmanagement in den Monaten davor oder durch ungewöhnlichen Bestandsabbau.
Das Ergebnis ist ein vereinbarter Referenzwert. Weicht das tatsächliche Working Capital zum Vollzug davon ab, wird der Kaufpreis angepasst. Diese Mechanik ist einer der häufigsten Streitpunkte nach Vertragsabschluss – und einer der am besten vermeidbaren.
Nettoverschuldung abgrenzen
Zur Nettoverschuldung zählen nicht nur Bankverbindlichkeiten abzüglich liquider Mittel, sondern alle schuldähnlichen Posten: Pensionsverpflichtungen, Leasing- und Mietverpflichtungen, ausstehende Boni, Rückstellungen für Altlasten, offene Steuerverbindlichkeiten.
Umgekehrt werden nicht betriebsnotwendige Vermögenswerte gesondert betrachtet. Die Abgrenzung zwischen schuldähnlich und operativ ist Verhandlungssache und wirkt unmittelbar auf den Kaufpreis – hier entsteht ein erheblicher Teil der Diskussion.
Sinnvoll ist, die eigene Abgrenzung früh vorzubereiten und zu begründen. Wer erst auf die Liste der Gegenseite reagiert, verhandelt in deren Systematik.
Was Verkäufer vorbereiten sollten
Zuerst eine belastbare Monatsergebnisrechnung über mehrere Jahre, konsistent zu den Jahresabschlüssen. Wenn Monats- und Jahreszahlen nicht zusammenpassen, entsteht Misstrauen, das die gesamte Prüfung verlängert.
Dann die Dokumentation der Bereinigungen mit Belegen, eine geordnete Vertragsübersicht mit Kündigungs- und Kontrollwechselklauseln, eine Aufstellung der Kundenstruktur sowie die steuerliche Historie einschließlich laufender Prüfungen.
Und schließlich personelle Vorbereitung: Die Prüfung bindet den Finanzbereich über Wochen zusätzlich zum Tagesgeschäft. Wer das nicht einplant, riskiert einen verspäteten Abschluss mitten in der Transaktion – mit unmittelbarer Wirkung auf die Verhandlungsposition.
Welche Profile diese Arbeit machen
Auf Beraterseite arbeiten Transaction-Services-Teams, häufig mit Prüfungshintergrund. Charakteristisch ist die Kombination aus Analysegeschwindigkeit, Datenaufbereitung und der Fähigkeit, aus unvollständigen Informationen belastbare Aussagen zu formen.
Auf Unternehmensseite übernehmen M&A- oder Corporate-Development-Bereiche die Steuerung, oft zusammen mit dem Konzernrechnungswesen. Gesucht werden dort Profile, die Prüfungsergebnisse in Kaufvertragsklauseln und Integrationsanforderungen übersetzen können.
Für Kandidaten aus der Wirtschaftsprüfung ist Transaction Services einer der naheliegendsten Wechsel: Das methodische Fundament passt, das Arbeitstempo ist höher, und der Weg ins Unternehmen steht danach weit offen.
Matching Finance – Personalberatung für das Finanzwesen
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