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Leitfaden · Recruiting-Tipps · Audit, Risk & Compliance

Compliance-Funktionen besetzen: Formale Anforderungen früh klären

Bei aufsichtsrechtlich relevanten Rollen entscheidet die Vorprüfung. Was vor der Ansprache geklärt sein muss.

Veröffentlicht am 13.01.2026 · 4 Min. Lesezeit

Welche Rollen formale Anforderungen haben

Nicht jede Compliance-Rolle ist formal reguliert – aber mehr, als viele Unternehmen annehmen. Im Banken- und Finanzdienstleistungsumfeld sind Schlüsselfunktionen wie Geldwäschebeauftragte, Compliance-Beauftragte oder Informationssicherheitsverantwortliche aufsichtsrechtlich geregelt: Die Besetzung muss der Aufsicht angezeigt werden, und die Aufsicht prüft Eignung und Zuverlässigkeit.

Auch außerhalb der direkten Beaufsichtigung gibt es faktische Anforderungen: börsennotierte Unternehmen, Konzerne mit bestimmten Governance-Strukturen oder Unternehmen in regulierten Branchen haben interne Vorgaben, die faktisch wie formale wirken.

Der erste Schritt jeder Besetzung ist deshalb die Klärung: Ist diese Rolle formal reguliert, faktisch reguliert oder frei? Die Antwort bestimmt den gesamten weiteren Prozess – und sie muss vor der ersten Kandidatenansprache stehen.

Was vor der Ansprache geklärt sein muss

Bevor Sie einen Kandidaten ansprechen, muss intern feststehen, welche Voraussetzungen die Rolle mit sich bringt: fachliche Qualifikation, erforderliche Erfahrung in der regulierten Tätigkeit, Unabhängigkeitsanforderungen und die Frage, welche Prüfungen bei der Bestellung ablaufen.

Klären Sie außerdem den Bestellungsprozess selbst: Wer zeigt die Besetzung an, welche Unterlagen werden gebraucht, wie lange dauert die Prüfung erfahrungsgemäß? Diese Dauer gehört in Ihre Planung – sie ist Teil der Vakanzzeit, nicht ein Formalakt am Ende.

Und prüfen Sie die Kehrseite: Was passiert, wenn die Aufsicht Einwände hat? Ein Plan-B – etwa eine kommissarische Besetzung – sollte existieren, bevor er gebraucht wird.

Fachliche Eignung und Zuverlässigkeit

Die Prüfung durch die Aufsicht dreht sich um zwei Achsen: fachliche Eignung und Zuverlässigkeit. Fachliche Eignung wird über Qualifikation und Erfahrung belegt – Abschlüsse, bisherige Rollen, die Kenntnis der regulatorischen Anforderungen des konkreten Aufgabenfelds.

Zuverlässigkeit ist der sensiblere Teil: Sie betrifft den persönlichen Hintergrund des Kandidaten und wird über Selbstauskünfte und Nachweise geprüft. Für Sie als Unternehmen heißt das: Diese Themen gehören früh und transparent in das Gespräch mit dem Kandidaten – ein Punkt, der spät auftaucht, sprengt Prozesse kurz vor der Bestellung.

Sprechen Sie deshalb offen darüber, welche Prüfungen anstehen. Erfahrene Kandidaten aus dem regulierten Umfeld kennen das und erwarten es. Überrascht ist nur, wer diese Rollen zum ersten Mal besetzt – und genau dann ist die Vorabklärung am wichtigsten.

Interne Abstimmung mit Recht und Aufsicht

Die Besetzung einer regulierten Rolle ist nie eine Personalentscheidung allein. Rechtsabteilung, gegebenenfalls die bestehende Compliance-Funktion und die Stellen, die den Kontakt zur Aufsicht pflegen, gehören früh an den Tisch.

Praktisch bedeutet das: Das Anforderungsprofil wird mit den Stellen abgestimmt, die später die Bestellung begleiten. Was die Aufsicht an Nachweisen erwartet, fließt in die Kriterien ein. So verhindern Sie den klassischen Ablauf: Der Kandidat ist ausgewählt, und dann stellt sich heraus, dass ein formales Kriterium fehlt.

Auch der zeitliche Ablauf gehört abgestimmt: Bestellung, Anzeige, Freigabe – wer diese Schritte nicht kennt, plant die Einarbeitung in eine Phase, in der der neue Verantwortliche formal noch gar nicht handeln darf.

Warum späte Prüfung teuer wird

Die späte Prüfung formaler Anforderungen ist der teuerste Fehler bei diesen Besetzungen. Der Ablauf ist immer gleich: monatelanger Prozess, der Wunschkandidat ist gefunden, der Vertrag ist vorbereitet – und dann zeigt die formale Prüfung ein Hindernis, das bei der Ansprache sichtbar gewesen wäre.

Die Kosten sind dreifach: die verlorene Zeit, der abgesprungene oder gescheiterte Kandidat und die Glaubwürdigkeit des Prozesses gegenüber allen Beteiligten – intern wie extern. Im engen Markt für Compliance-Führungskräfte spricht sich ein solcher Vorgang herum.

Die Gegenmaßnahme ist simpel: Formale Anforderungen werden nicht am Ende geprüft, sondern am Anfang. Jeder Kandidat, der in die Shortlist kommt, erfüllt die formalen Kriterien bereits. Das klingt selbstverständlich – und ist in der Praxis der Punkt, an dem diese Besetzungen am häufigsten scheitern.

Matching Finance – Personalberatung für das Finanzwesen

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